Navigation

Natur, Bildung und Soziales, Bürger informieren Bürger e. V.

Baumschutz

Februar 2021

Wild West in Köln – Stadt Köln fällt aus Angst vor den Bürgern überfallartig am Karnevals-Sonntag um 6.45 Uhr Morgens majestätische Bäume! Ohne Genehmigung! Ohne Berechtigung!

Die Stadt hatte es nicht nötig gehabt, den Kölner Bürgern über die anstehende Fällungen der majestätischen Bäume an der Schönhauser Straße am Karnevals Sonntag / Valentistag zu informieren, die angeblich für die Verbesserung des Schienenverkehrs und für die Vergrößerung einer Kreuzung (Schönhauser/Bonner Straße) gefällt und geschreddert werden sollten. So mussten Baumschutzaktivisten an aufgestellten Parkverbotsschildern erraten, dass eventuell zu Karneval oder Rosenmontag gefällt werden würde. Am Karnevals-Sonntag zwischen 6.45 Uhr und 9.00 Uhr war es dann so weit: die Stadt Köln lies die fünf prächtigsten und gesunden Platanen an der Schönhauser Straße unter großem Sicherheitsaufwand fällen! Es klang wie Krieg mit Maschinen-Gewehrgeknatter und es sah auch so aus, wie Krieg!

Am Karnevals-Samstag-Abend ab 23.00 Uhr versammelten sich die ersten finster drein schauende Soldaten einer privaten Security-Firma auf dem REWE Parkplatz und warteten darauf, dass die noch unter den Bäumen parkenden Autos verschwinden. Diejenigen, die dort noch weiterhin parkten, um eventuell die Bäume zu schützen, wurden sofort abgeschleppt. Die Parkverbotsschilder, die man vor einigen Tagen hier aufgestellt hatte, waren der einzige Hinweis auf den anberaumte Baum-Frevel.

Um ein Uhr Nachts fuhr ein LKW mit Sperrgitter auf den frei geräumten REWE-Parkplatz und es wurde im Laufe der Nacht die Schönhauser Straße und die Hälfte des REWE-Parkplatzes unschön mit diesen Sperr-Gittern eingezäunt. Um fünf Uhr Morgens kamen weitere LKWs, panzerartige Geräte, Hubsteiger, Container und riesige Baum-Schredder und positionierten sich in dem abgesperrten Gebiet rund um die schönen Bäume. Ab sechs Uhr Morgens trudelte eine weitere Security-Gruppe in Uniformen, Ordnungsamts-Leute, Polizei und die Motorsägen-Einheit ein. Als ich um 6.55 Uhr dort ankam, wimmelte das Schlachtfeld bereits von Leuten. Die Fällung hatte bereits krachend und knatternd angefangen. Die erste Platane lag nach einer halben Stunde zerstückelt und blutend (!!!) am Boden! Es war wie im Krieg!

Der Bildungsverein Nabis e.V. hatte kurz vorher 3000 Flugblätter in der Nachbarschaft verteilen lassen und ca. 2500 Menschen über e-Post Verteiler darüber informiert, dass die Baumfällung bevor stand, um die Menschen zur Verteidigung der Bäume zu mobilisieren. Und nun standen ca. 15 versprengte und frierende Engels-Gestalten vor dem Höllenlärm, umringt von Security und Polizei! Kein Mensch durfte sich dem Zaun auch nur einen Meter nähern! Die Stadt Köln hatte offenbar große Angst, dass Baumschützer sich unter die Bäume stellen oder raufkrabbeln könnten, so wie es im Hambacher Forst und Dannenröder Forst geschah!

Ich fragte um Punkt 7 Uhr die Polizei-Beamten, ob es eine Fällgenehmigung gäbe. Laut Baumschutzsatzung muss bei jeder Fällung von Bäumen eine Fällgenehmigung vor Ort von den Männern mit den Motorsägen bei gehalten werden. Auf Verlangen eines interessierten Bürgers muss die Genehmigung vorgezeigt werden. Es heißt wörtlich unter Punkt zwei in den Genehmigungsformularen der Unteren Naturschutzbehörde: "2. Auflagen... Eine Kopie dieses Schreibens ist der ausführenden Firma auszuhändigen und auf Verlangen jedermann vorzuzeigen." Nein, war die Antwort. Ich sollte mich an die Stadt Köln wenden, heute am Karnevalssontag!

Ich ging zu einem Ordnungsamts-Uniformierten. Es kam die gleiche Antwort. Ich kämpfte mich durch die Soldatenreihen bis zum Sperrgitter hindurch, weil dort scheinbar der Projektleiter, ein Angestellter der Stadt Köln, vor Ort war und verlangte höflich die Fällgenehmigung einsehen zu dürfen. Erst nach langem verbalen Hin und Her nahm sich der Projektleiter eine halbe Stunde Zeit für mein Ansinnen und telefonierte erst einmal. Danach hielt er mir seine Handy vor die Nase und zeigte mir ein Dokument, dass nach seiner Meinung ein Stück der Baugenehmigung für die dritte Baustufe der Nord-Süd-Bahn darstellte. Es handelte sich nicht um eine Fällgenehmigung! Es war ein nicht definiertes Dokument auf dem ich nur das Jahr "1994" lesen konnte. Ich ging also zurück zu den vermummten Polizei-Beamten und erklärte, dass der Projektleiter der Stadt, keine Fällgenehmigung vorweisen konnte! Ich forderte die Polizei daher unmissverständlich dazu auf, dass zu überprüfen und falls die Beamten auch keine Fällgenehmigung sähen, die begonnene Fällung sofort zu beenden! Die Antwort der Polizisten war: "Nein! Wir müssen neutral bleiben!" Obwohl die Polizei in solchen Fällen die "Amtsermittlungspflicht" hat, kam sie an diesem Morgen ihrer Pflicht nicht nach!

Bei allen Baumfällung in meinen letzten 20 Jahren als Baumschützer, in den ich versucht habe, Bäume vor illegaler Fällung zu bewahren, war dies IMMER die zentrale Methode! Falls es vor Ort keine Fällgenehmigung gab, habe ich mich unter den betroffenen Bäumen gestellt – so dass die Fällungen aufhören mussten – und habe die Polizei oder das Ordnungsamt gerufen, damit sie die Fällung dann offiziell untersagen. Ohne rechtsgültige Fällgenehmigung dürfen in Köln keine dicken Bäume abgesägt werden!! Das sagt ein kommunale Gesetz, die Baumschutzsatzung!

Aber, hier an diesem Morgen an der Schönhauser Straße haben weder die Polizei noch das Ordnungsamt ihren Job ordnungsgemäß verrichtet! Wahrscheinlich waren die Sperr-Gitter mit denen die Bäume umstellt waren, genau dafür gedacht, Baumschützer mangels Fällgenehmigung davon abzuhalten, sich unter die Bäume zu stellen! Der zweite Schritt, den ich unternahm, um die Bäume an jenem Morgen doch noch zu retten, bestand darin, dass ich Abends vorher, also am Karnevals-Samstag-Abend um 23.00 Uhr einen „Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung“ beim Amtsgericht stellte. Ich ging also wieder zur Polizei und bat um Kenntnisnahme dessen, dass ich den Antrag gestellt und beim Amtsgericht eingereicht hatte und versicherte von Eides statt, dass dies so sei und die Wahrheit ist! Doch die Reaktion der Polizei war wieder die gleiche, wie vorher. Sie reagierte nicht, sie wollte „neutral bleiben“ und hatten nur die Aufgabe uns, die versprengten, vereinzelten Baumschützer von den Bäumen fern zu halten!

Es war wie im Krieg! Dickste Äste wurden unter donnernden Getöse und Geächze geschreddert, eine Frau schrie, eine andere wurde des Platzes verwiesen und ich… musste weinen! Es waren so schöne Bäume! So geht die Stadt Köln mit engagierten und besorgten Bürgern um, die sich schon seit Jahren mit guten Argumenten für den Erhalt der Bäume eingesetzt hatten, das Bau-Konzept nicht nur fachlich kritisieren, sondern als Fehlplanung identifizieren konnten und sogar auf eigene Kosten professionelle, alternative Bau-Vorschläge vorgebracht haben, die die Stadt Köln ohne weiteres hätte verwirklichen können! Und dass alles, obwohl die Stadt den Klimanotstand ausgerufen hat, die Vergrößerung der Kreuzung nicht notwendig ist, um endlich die Schiene zu bauen, die schon längst (im Dez. 2019) hätte fertig gestellt sein sollen…. Und all dass, ohne zu berücksichtigen, dass genau diese Kreuzung, wegen des vielen Verkehrs, die schmutzigste und die dreckigste ist, wie Lufmessungen von Greenpeace gezeigt haben.

Es herrscht die völlige Ignoranz der Stadtverwaltung und der Politik gegenüber konstruktiver Beteiligungen und sinnvoller Kritik an dem Plan der dritten Ausbaustufe der NS-Bahn! Es herrscht die vollständige Ignoranz gegenüber den eigenen Planungsfehlern! Es soll nun mit Gewalt eine Kreuzung auf riesig vergrößert werden, die im Verhältnis zu allen neuen verkehrswissenschaftlichen Erkenntnissen („Verkehrswende“) und selbst im Verhältnis zu den ökologischen Absichtserklärungen ("Klimanotstand") sich schlicht widersprechen!

Eine Kreuzungvergrößerung um (angeblich) ein Bauwerk zu vollenden, dass unter die Innenstadt hindurch und hier oberirdisch über die Bonner Straße geführt werden soll, an dem man seit fast 19 Jahren herum brasselt! Es handelt sich bei diesem Projekt um ein totales, uneingestandenes Bau-Desaster, dass mittlerweile ca. 2 Milliarden Euro, ein intaktes historische Archiv, zwei Menschenleben und bisher 600 innerstädtische Bäume das Leben gekostet hat. (Nördlich der Kreuzung Schönhauser Straße, Richtung Innenstadt wurden seinerzeit 300 Bäume gefällt und südlich Richtung Verteiler wurden im Oktober 2017 300 Bäume gefällt).

Nach all dem jahrelangen wohlwollenden Engagement mehrerer Bürger-Initiativen („Initiative gegen Planungsirrsinn“) sich so respektlos gegenüber seinen Bürgern, so uneinsichtig gegenüber den eigenen Planungs-Fehlern und so hinterhältig gegenüber den Baumschützern zu verhalten, wie die Stadt Köln das gegenwärtig gemacht hat, ist völlig indiskutabel! Und all das mit Billigung der Grünen! Die sich sowohl für die Fällung der Bäume an der Bonner Straße, als auch seinerzeit FÜR die Fällung der fünf Bäume an der Schönhauser Straße eingesetzt haben. Ohne Ankündigung, ohne Erklärung, ohne weiteres Nachdenken, ohne Entschuldigung einfach so, heimlich, still und leise, an Karneval, völlig unnötig und wahrscheinlich illegal, diese völlig gesunden Bäume zu fällen, ist eine Schande für unsere Stadt und disqualifiziert das Stadtbahnbauamt, sowie die Verwaltungsspitze, Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker!

P.S. In Sachen Baumfällungen an der Schönhauser Straße hat der Stadtrat am 10. September 2015 mit den Stimmen der Grünen und gegen die Stimmen von pro Köln und AfD die Fällungen durchgewunken. Es gab keine Diskussion!

von Ottmar Lattorf
nach oben